ZURÜCK ZU DEN WURZELN

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Alles begann in Vietnam ...

Ein Rückblick anlässlich des 40. Jahrestages des Kriegsendes

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Sich weltweit für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen, dies waren damals und sind bis heute die  Beweggründe der Menschen, die sich für Friedensdorf International engagieren. Der 11-jährige Krieg in Vietnam und die Geschichte des Friedensdorfes sind und bleiben untrennbar miteinander verbunden, waren doch die ersten Patienten, die ins Friedensdorf nach Oberhausen kamen, schwerstverletzte vietnamesische Kinder und Jugendliche, unschuldige Opfer dieses grausamen Krieges. Anlässlich des 40. Jahrestages des Kriegsendes in Vietnam am 30. April 2015 wollen wir einen Blick zurückwerfen auf die Ursprungstage des Friedensdorfes:

Wir schreiben das Jahr 1967, die „Aktion Friedensdorf e.V.“ wird im Juli gegründet. Die geplante, aber nicht umsetzbare Hilfe für Kinder aus Israel und dem Nahen Osten, Opfer des 6 Tage Krieges, wird nun zur Hilfe für die jungen Kriegsopfer aus Südvietnam. Die ersten Häuser zur Unterbringung der Kinder auf dem Gelände der ehemaligen Hüttenwerke Oberhausen befinden sich bereits im Bau. Doch wie und wer soll die Kinder aus Südvietnam auswählen, die nach Deutschland zur medizinischen Behandlung kommen?

Peter Stöbe, Leiter des Friedensdorfes von 1971-1975 beschreibt die damalige Situation folgendermaßen:

Ehrenamtliche Ärzte in Südvietnam mussten gesucht und Kontakte zu den dortigen Behörden, der Polizei und dem Militär geknüpft  werden, um die betroffenen Kinder zu erreichen. Gleichzeitig wurden Freibetten in deutschen Krankenhäusern und ein kostengünstiger Flug mit Air France organsiert.

(Friedensdorf-Report 79 - 25. Jahrgang April 2007)

Im Dezember 1967 treffen die ersten schwerverletzten, Napalm verbrannten Kinder aus Vietnam in Oberhausen ein.

1972 leben bereits 130 Kinder und Jugendliche aus Vietnam im Friedensdorf. Nach langen Krankenhausaufenthalten erhalten sie neben der medizinischen Rehabilitation Schulunterricht und eine Ausbildung mit dem Ziel, später in Vietnam ein eigenes, selbstständiges Leben führen zu können. Im gleichen Jahr werden auch Pläne zur Errichtung einer Rehabilitationseinrichtung in Dalat, 280 Kilometer nordöstlich von Saigon geschmiedet.

Bereits 1973, noch während des Krieges, wird die Hilfsstation „Mimosa“ umgebaut. Dorthin kehren 1974 die ersten vietnamesischen Patienten, deren Behandlung in Deutschland abgeschlossen ist, zurück und werden ihren Familien übergeben. Zum Jahreswechsel 1974/75 wird mit dem Bau des großen Rehabilitationszentrums am DaLater See begonnen. Doch aufgrund der Kriegswirren musste das Friedensdorf DaLat im März 1975 evakuiert werden.

 

 

Als am 30. April 1975 der Vietnamkrieg beendet und kurz darauf das gesamte Land unter nordvietnamesischer Herrschaft wiedervereint wird, können die damaligen Friedensdorf-Schützlinge nicht mehr zu ihren Familien und in ihr Heimatland zurückkehren. Auch vereinsinterne unterschiedliche Meinungen tragen dazu bei, dass die nordvietnamesische Regierung eine Rückführung der Friedensdorf-Schützlinge verweigert. Diese Situation stellt die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Friedensdorfes vor ganz neue Herausforderungen. Der Aufenthaltsstatus der ca. 100 vietnamesischen Kinder und Jugendlichen in Deutschland muss geklärt und ihre Integration in die deutsche Gesellschaft gewährleistet werden.

Zwei von ihnen sind Hao und Nop. Zum Interview ...

Der eigentliche Satzungsauftrag der „Aktion Friedensdorf e.V.“, die Kinder nach abgeschlossener Behandlung zu ihren Familien und in ihre Heimat zurückzuführen, kann bis in die 80er Jahre hinein nicht mehr erfüllt werden. Die Kontakte zu Vietnam brechen ab und können erst zehn Jahre später sehr behutsam und dank der Vermittlung der Hilfsaktion VietNam mit Sitz in Düsseldorf wieder aufgebaut werden.

In diesen Jahren der Ungewissheit steht das Friedensdorf mehrere Male vor dem finanziellen Ruin.

Ein Desaster, aus dem die nachfolgenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Friedensdorfes ihre Lehren gezogen haben. Eine Rückkehrgarantie für die Kinder seitens der Heimatländer ist heute eine unverrückbare Bedingung für die Ausreise der Kinder zur medizinischen Behandlung nach Deutschland. Ebenso ist die überparteiliche Haltung von Friedensdorf International unerlässlich, um die Rückführung der Kinder zu ihren Familien nie wieder zu gefährden.

Erst 1990 kann das erste Projekt vor Ort, das Friedensdorf in DaLat, wieder eröffnet werden und der Versorgung behinderter Kinder zur Verfügung stehen. Weitere Projekte folgen:

 

  • Friedensdorf DaLat II (Orthopädiewerkstatt seit Dezember 1992)
  • Friedensdorf DaNang (Orthopädiewerkstatt seit Dezember 1992) - siehe Bild
  • Friedensdorf Thanh Xuan I, Hanoi (Kinderstation seit Dezember 1991)
  • Friedensdorf Thanh Xuan II, Hanoi (Sonderschule und Ausbildungswerkstatt seit April 1996)
  • Friedensdorf Ho-Chi-Minh-City I (Kinderkrankenhaus seit September 1990)
  • Friedensdorf Ho-Chi-Minh-City II (Pflegestation seit April1996)
  • Friedensdorf Song Be (Kinderstation seit Dezember 1991)
  • Friedensdorf Tay Ninh (Kinderstation seit November 1993)
  • Friedensdorf Hue (Kinderstation seit September 1995)
  • Friedensdorf Ha Tay (Rehabilitations- und Heimeinrichtung für behinderte Kinder mit Basisgesundheitsversorgung seit 1997. Das Friedensdorf Ha Tay ist eingebunden in das Gemeinschaftsprojekt "Dorf der Freundschaft", an dem Organisationen aus verschiedenen Staaten beteiligt sind.)

 

  • Friedensdorf-Schulen (1989: 3 Schulen in der Gemeinde Dai Loc)
  • Fischerei-Schulschiff (1988: Fischkutter "Hoa Binh - Frieden" Inbetriebnahme in VietNam Juli 1988) - siehe Bild
Die Basisgesundheitsstationen in Vietnam – ein Beispiel macht Schule

Seit 1990 sind über 100 Basisgesundheitsstationen (BGS) in Vietnam errichtet worden. Diese tragen entscheidend zur Gesundheitsversorgung der Bevölkerung in ländlichen Regionen bei. 6.000 – 8.000 Menschen werden von einer Basisgesundheitsstation versorgt.

Friedensdorf, Lang Hoa Binh und das Gesundheitsministerium haben eine Konzeption erarbeitet, in der die Aufgaben der BGS festgelegt werden. Das Drei-Stufen-Modell umfasst die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung nach WHO-Standards, die Einbettung traditioneller Medizin in die Behandlung und die Eigenproduktion pflanzlicher Arzneimittel. Finanziert werden die Basisgesundheitsstationen von der Bevölkerung selbst. Wer über ein Einkommen verfügt, gibt freiwillig einen bestimmten Prozentsatz seines Nettoverdienstes an die BGS ab. Menschen ohne Einkommen werden umsonst behandelt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer BGS erwirtschaften zusätzlich durch den Verkauf landwirtschaftlicher Produkte und das Angebot von Dienstleistungen Gelder. Diese werden zurückgelegt, um die BGS auch in Krisenzeiten abzusichern.

Die Friedensdorf-Arbeit in Vietnam ist beendet

Eine vorerst letzte Dienstreise führte ein Team des Friedensdorfes 2011 nach Vietnam. Einige der seit über 20 Jahren arbeitenden Projekte wurden von den Mitarbeitern des Friedensdorfes besucht. Es konnte mit großer Freude festgehalten werden, dass alle besuchten Projekte ihren satzungsgemäßen Aufgaben im vollen Umfang nachkommen. Selbst Gebäude, deren Bausubstanz eine Sanierung erforderlich machte, wurden von den vietnamesischen Gesundheitsbehörden instand gesetzt. Heute, 40 Jahre nach Kriegsende in Vietnam, können wir festhalten, dass weitestgehend eine medizinische Infrastruktur vorhanden ist, so dass die medizinische Versorgung der vietnamesischen Kinder in ihrer Heimat und sogar in einem der zahlreichen Friedensdorf-Projekte durchgeführt werden kann. (links oben: Friedensdorf DaLat II, links unten: Friedensdorf Hue)

Doch der Krieg hinterlässt bis heute seine schmutzigen Spuren. Kontaminierte Böden, verseuchtes Wasser – immer noch werden Kinder mit schweren Missbildungen und geistigen Behinderungen geboren. Mit großer Wahrscheinlichkeit eine Folge von „Agent Orange“. Eine Konsequenz daraus sollte sein, die Entwicklung, die Produktion und den Einsatz chemischer Kampfstoffe weltweit zu ächten und zu verbieten.

Hintergrundwissen zum Vietnamkrieg

4 Antworten

  1. Frank Lauterbach
    | Antworten

    Sooo schön, dass es den beiden gut geht

  2. Frank Lauterbach
    | Antworten

    Bitte lasst mich mehr aus dieser Zeit lesen…

  3. Nguyen
    | Antworten

    Anfang 1968 kam ich nach Oberhausen ins Friedensdorf. Eine kleine Ansammlung von weissen Flachdachhäuser, Umrahmen eine kleine Spielwiese. Die Zeit auf diesen Hügel am kleinen Wald gehören zu einer meiner schönsten Zeit.
    Ich danke allen Menschen dir mir diese Zeit geschenkt haben….
    Danke Nguyen

  4. Hilde Falgenhauer
    | Antworten

    Mit grossem Interresse lese ich alle Berichte über die vietnamesischen Friedensdoerfer. Würde gerne mit unterstützen.

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