50 JAHRE FRIEDENSDORF – GESTERN UND HEUTE

50 JAHRE FRIEDENSDORF – GESTERN UND HEUTE

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Liebe Freundinnen und Freunde des Friedensdorfes,

zuerst möchten wir Ihnen danken, dass Sie unsere Hilfseinrichtung, welche seit einem halben Jahrhundert besteht, unterstützen.

Wir als Mitarbeiter dieser Einrichtung pendeln ständig zwischen den Welten: hier eine Welt, in der wir in Frieden leben, in der wir zu jeder Zeit sauberes Wasser nutzen, in der wir satt werden, eine Welt sogar, in der wir von vielem zu viel haben – dort eine Welt, in der noch immer Schüsse fallen, weite Gebiete vermint sind, Krieg herrscht, eine Welt, in der Wasser ein Luxusgut ist, viele Menschen nicht an jedem Tag satt werden. Eine Welt, in der einige wenige unendlich reich sind, die große Mehrheit aber in bitterer Armut lebt.

Einer der größten Unterschiede ist sicher die medizinische Versorgung. In unserer Welt gewährt sie ein gutes Maß an therapeutischen Möglichkeiten. In jener anderen Welt aber gibt es für viele Menschen solche Möglichkeiten nicht. Ärzte sind oft kaum erreichbar, es fehlt das Geld für Krankenhäuser und teure Medizin.

Das hat sich leider in einem halben Jahrhundert nicht geändert.

In den Anfangsjahren hatten wir noch gehofft, dass die Menschen nach den Atombombenabwürfen in Hiroshima und Nagasaki (1945), dem Debakel mit dem Vietnamkrieg (1955 bis 1975) und unzähligen Toten ihre Lehren gezogen hätten und sich für eine friedfertigere Welt einsetzen würden. Längst wissen wir: Das war eine trügerische Hoffnung.

Verfolgt man die Entwicklung der vergangenen Jahre, nimmt die Kluft zwischen den Welten eher noch zu. Der Wunsch unseres leider viel zu früh verstorbenen Vorgängers Ronald Gegenfurtner, dass eine Einrichtung wie unsere eines Tages nicht mehr gebraucht wird, scheint nach 50 Jahren in weite Ferne gerückt. Er war ein Visionär und führte das Friedensdorf zu internationaler Anerkennung. Wir erleben mehr Krisengebiete denn je, die Zahl der Behandlungsanfragen steigt.

Das ist übrigens auch der Grund, warum wir anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Friedensdorfes keine eigene Veranstaltung anbieten, sondern dieses Ereignis in die „Peace im Pott“-Veranstaltung am 8. Juli 2017 einbetten werden. Wir verzichten bewusst auf eine „Festveranstaltung“, denn es gibt keinen Grund das Friedensdorf zu feiern. Eine Einrichtung wie das Friedensdorf dürfte es eigentlich nicht geben!

Eines darf an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben: Auch das Friedensdorf hatte stürmische Zeiten und geriet mehrmals im Laufe der fünf Jahrzehnte in eine Schieflage. Einer unserer Vorgänger und Vordenker der heutigen Strukturen, Peter Stöbe (1971 bis 1975) erlebte die letzten Kriegstage in Vietnam und befasste sich mit dem Problem, wie es nach Kriegsende in Vietnam mit den im Friedensdorf untergebrachten Vietnamesen weitergehen sollte. Für viele Kinder und Jugendliche gab es kein Zurück mehr.

Ein weiterer Leiter des Friedensdorfes, Horst Ambaum (1977 bis 1982), musste gemeinsam mit dem damaligen Vorstand das Problem angehen, wie die im Friedensdorf verbliebenen vietnamesischen Bewohner finanziell und beruflich in der Bundesrepublik Deutschland abgesichert werden sollten. Und während dieser schwierigen Phasen geriet das Friedensdorf in eine finanzielle Schieflage, die Mitarbeiter mussten auch schon mal auf ihr Gehalt bzw. ihren Lohn warten.

Bei all den zu lösenden existenziellen Problemen überwog dennoch das Positive. Und das ist bis heute dem Engagement der treuen Spender und Förderer, der ehrenamtlichen Helfer, der internationalen Partner, der Ärzte, Pfleger und Mitarbeitern von Klinikverwaltungen sowie unserer Mitarbeiter und Mandatsträger zu verdanken, die die Bedeutung unserer Arbeit stets anerkannt haben und hoffentlich auch in Zukunft weiter anerkennen werden.

Doch auch für uns wird die Arbeit schwieriger. Das liegt an den sich verändernden Bedingungen in unserem Land. Die Kostensteigerungen im Gesundheitswesen, die immer weiter voran schreitende Spezialisierung der Krankenhäuser und auch die Änderungen in der Kinder- und Jugendhilfe machen uns immer mehr zu schaffen.

Das Friedensdorf wird sein Gesicht in Zukunft sicher verändern. Dies gilt insbesondere für die medizinische Einzelfallhilfe, die wir selbstverständlich so lange wie möglich fortsetzen werden. Wie aber auch bereits in den vergangenen Jahren, werden wir  die Projektarbeit in den Kriegs- und Krisengebieten dieser Welt ausweiten, um vor Ort die medizinische Versorgung mittelfristig verbessern zu helfen.

Immer wieder hören wir, dass unsere Arbeit doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein sei. Ja, das ist sie. Doch viele Tropfen bilden einen Fluss, viele Flüsse ein Meer.

Wir wissen seit fünf Jahrzehnten, dass es möglich ist, etwas gegen Armut, Leid und Hilflosigkeit zu tun. Lassen Sie uns gemeinsam Hilfsbereitschaft und Menschlichkeit einsetzen, denn dann kann aus Hilflosigkeit Zuversicht werden.

Abschließend lassen Sie uns kurz an die Gründer des Friedensdorfes erinnern. Sie betraten vor 50 Jahren Neuland. Heute, im Nachhinein, weiß man immer besser, was gut und richtig gewesen wäre. Auf solche Erkenntnisse konnten die Gründer des Friedensdorfes wie der evangelische Pfarrer Fritz Berghaus und auch Luise Albertz, ehemalige Oberbürgermeisterin von Oberhausen, nicht zurückgreifen. Sie scharten Bürger um sich, die vor allem angesichts des Grauens des Vietnam-Krieges einfach nur helfen wollten. Bei aller kritischen Nachbetrachtung verdankt das Friedensdorf Menschen wie Ihnen seine Existenz.

Wir wünschen Ihnen ein friedvolleres neues Jahr,

Ihr

FRIEDENSDORF

INTERNATIONAL

Thomas Jacobs

– Leiter –

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