15 JAHRE US-GEFÜHRTER KRIEG IN AFGHANISTAN – EINE KRITISCHE BETRACHTUNG

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Friedensdorf International hilft seit 1987 afghanischen Kindern
Mittlerweile anderthalb Jahrzehnte ist es her, dass die ersten amerikanischen Bomben am 07.10.2001 auf die afghanische Hauptstadt Kabul fielen. Das von dem damaligen US-Päsidenten George W. Bush mit Unterstützung der internationalen Gemeinschaft gesetzte Ziel, dem Terrorismus nach den Anschlägen vom 11.09.2001 den Boden zu entziehen, ist bis heute nicht erreicht. Nach einer kurzfristigen Phase scheinbarer Besserung sind neben den radikalislamischen Taliban mittlerweile weitere radikale Gruppierungen wie z.B. auch inzwischen der IS in Afghanistan aktiv.

Das Ergebnis des längsten Krieges der USA – unterstützt von zahlreichen westlichen Verbündeten – sieht heute erschreckend aus: der 2011 durch Barack Obama eingeläutete Truppenabzug wurde nicht umgesetzt mit der Begründung, dass die Afghanen den Angriffen der wieder zunehmend erstarkten Taliban nicht standhalten können. Dabei wurden seit Beginn der US-Invasion über 2000 US Soldaten getötet. Eine im Vergleich zu der seit Jahrzehnten unter verschiedenen Kriegen leidenden afghanischen Bevölkerung verschwindend geringe Zahl: alleine im ersten Halbjahr 2016 starben 1600 afghanische Zivilisten – und die Zahl steigt täglich. In 31 von 34 afghanischen Provinzen wird mittlerweile wieder gekämpft, 400.000 Binnenflüchtlinge sind nach Angaben der Vereinten Nationen alleine in 2016 offiziell registriert (die Dunkelziffer wird deutlich höher liegen) und hausen unter erbärmlichen Bedingungen in den letzten einigermaßen sicheren Gebieten des Landes. In Kabul beispielsweise gibt es zwar nicht tagtäglich Anschläge. Dass aber europäische Diplomaten aus Sicherheitsgründen von A nach B mit Helikoptern fliegen, anstatt Kabuls Straßen zu benutzen, zeigt die wahre Gefährdungslage. Bis zu drei Millionen Flüchtlinge muss Afghanistan nun auch noch aus dem Nachbarland Pakistan aufnehmen und auch in Deutschland geht es vorrangig um die Rückführung abgelehnter afghanischer Flüchtlinge.
Ein kleiner Hoffnungsschimmer ist immerhin gerade vor dem anstehenden Winter das Ergebnis der internationalen Geberkonferenz. Die internationale Gemeinschaft hat Afghanistan bis 2020 Finanzhilfen in Höhe von 15,2 Milliarden Dollar zugesagt.

Dabei gilt es viele Aspekte von zahlreichen Seiten zu berücksichtigen und in die Gesamtproblematik für die Menschen in Afghanistan mit einfließen zu lassen. Die Realität der afghanischen Bevölkerung erlebt Friedensdorf International auf den regelmäßigen Hilfseinsätzen seit mittlerweile fast 30 Jahren. Die Lebensbedingungen der Menschen haben sich über die 3 Jahrzehnte der Hilfe in Afghanistan nicht verbessert. Im Gegenteil. Die Oberhausener Kinderhilfsorganisation beobachtet eine zunehmende Verschlechterung in zahlreichen Lebensbereichen. Aus Sicherheitsgründen kommen viele Menschen nicht mehr bis nach Kabul, um dort bei der Partnerorganisation von Friedensdorf International, dem Afghanischen Roten Halbmond, um Hilfe für ihre kranken und verletzten Kinder zu bitten. Selbst in der Hauptstadt ist die medizinische Versorgung prekär und für die untere soziale Schicht kaum zu erreichen. Ohne die Sicherung der grundlegenden Bedürfnisse kann dem internationalen Terrorismus nach Einschätzung der Hilfsorganisation nicht der Boden entzogen werden. Eher im Gegenteil sind Familienväter aufgrund der dramatischen Lebensbedingungen gezwungen, sich radikalen Gruppierungen anzuschließen, weil sie zumindest Gehälter zahlen und Versprechen geben, die das Überleben der Großfamilie realistischer erscheinen lässt.

Nicht nur aus Eigeninteresse, um die Anzahl afghanischer Flüchtlinge zu reduzieren, plädiert Friedensdorf International eindringlich dafür, die Afghanen nicht erneut zu vergessen und Anstrengungen in den Aufbau einer grundlegenden Infrastruktur zu investieren. Denn das hat 15 Jahre US-geführte internationale Militärpräsenz in Afghanistan auch gezeigt: das Land konnte durch die Militärintervention nicht befriedet werden und versinkt zunehmend im Chaos. Radikale Gruppen, die zwar die Rechte der Menschen missachten, aber immerhin für Frieden und Sicherheit sorgen, scheinen dann für viele Menschen das womöglich geringere Übel, wie es schon nach dem Fall der Mudjaheddin und dem Einmarsch der Taliban 1996 zu beobachten war. Die Menschen brauchen dringlicher denn je Hoffnung und Aussicht auf Besserung, was vor allem mit gemeinsamen internationalen und humanitären Bemühungen erreicht werden kann.

 

Seit 1987 hilft Friedensdorf International afghanischen Kindern im Rahmen der medizinischen Einzelfallhilfe. Kranke und verletzte Kinder fliegen mit einem Charterflugzeug 2 x pro Jahr zur kurzfristigen medizinischen Behandlung nach Deutschland und kehren umgehend nach abgeschlossenen Behandlung zurück zu ihren Familien – mit im Gepäck eine zweite Chance auf ein besseres Leben und die Erfahrung der erlebten Hilfsbereitschaft und eines friedlichen Miteinanders in Deutschland. Auch Projekte und regelmäßige Hilfsgütersendungen sollen die Infrastruktur vor Ort helfen zu verbessern.

Fotos:

Uli Preuss: Afghanische Familie bringt ihr verletztes Kind zu unserer Partnerorganisation

ok! Kommunikation: Dr. Yagura aus Japan  hilft bei Ankunft der Kinder am Düsseldorfer Flughafen.

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